Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie

e.V.




Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie


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Handchirurgie

Die Hand ist als unser Greiforgan von zentraler Bedeutung. Die Handchirurgie ist eine Domäne der ambulanten Chirurgie und des ambulanten Operierens. Verletzungen, funktionseinschränkende oder ästhetische Erkrankungen, Fehl- und Missbildungen, Tumoren an der Hand und vieles mehr sind ambulant behandelbar.

Schnellender Finger (Schnappfinger, Schnippfinger, Springfinger)

Der schnellende Finger ist eine häufige Funktionsstörung durch der Hand. Sie entsteht zumeist durch eine Überlastung der Fingerbeugesehnen, manchmal auch anlagebedingt oder nicht selten als Begleiterscheinung zu einem Karpaltunnelsyndrom. Auch als Nebenwirkung von Medikamenten können Schnippfinger auftreten. Durch das Anschwellen der Sehnen gleiten diese nicht mehr durch das sogenannte Ringband über den Grundgelenken der Finger, sondern sie "rucken" und das oft schmerzhaft. In ausgeprägten Fällen rastet der Finger in Beugestellung ein und kann aus eigener Kraft nicht mehr gestreckt oder andersherum kann der Finger nicht mehr zur Faust gebeugt werden. Am häufigsten betroffen sind die Daumen, es folgen Mittel- und Ringfinger. Die meisten Schnippfinger bilden sich zumindest vorübergehend spontan durch die schmerzbedingte Schonung zurück. Die Indikation zur Operation sollte streng gestellt werden. Ein einfaches moderates, schmerzfreies Schnappen bei ansonsten freier Bewegung reicht nicht aus, um eine operativen Eingriff zu begründen. Wenn es zur Operation kommt, muss diese stets in einer Blutleere (kein Blutfluss im OP- Gebiet) erfolgen. Der Eingriff ist in Regionalanästhesie oder kurzer Vollnarkose möglich. Eine Sonderform ist der Pollex flexus congenitus, der angeborene Schnappdaumen bei Kleinkinder. er fällt in der Regel spät auf und sollte in den ersten Lebensjahren kinderchirurgisch operiert werden.

Tendovaginitis stenosans de Quervain

Hierbei handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung im 1. Strecksehnenfach. Sie tritt häufiger bei Frauen auf. Die Ursache ist meist belastungs-, seltener auch anlagebedingt. Die Erkrankung der Daumenabspreiz- und strecksehnen ist nach dem Schweizer Chirurgen Fritz de Quervain (1868–1940) benannt. Der Befund ist oft hochgradig schmerzhaft. Ca. 80% aller betroffenen Patienten werden trotz konservativer Therapie eines Tages operiert. Die Diagnose ist durch den Finkelsteintest (Harry Finkelstein, 1865–1939, amerikanischer Chirurg) leicht zu stellen. Die operative Therapie besteht in der Spaltung des 1. Strecksehnenfaches. Der Eingriff ist in Regionalanästhesie oder kurzer Vollnarkose möglich.

Karpaltunnelsyndrom (KTS, CTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste handchirurgische Erkrankung und das häufigste Engpasssyndrom eines Nervs. Dabei handelt es sich um ein Beschwerdebild aufgrund einer Druckschädigung des N. medianus im KT durch ein Missverhältnis zwischen Weite und Inhalt des Tunnels (AWMF online). Das Karpaltunnelsyndrom ist eine beidseitige Erkrankung und tritt oft familiär gehäuft auf, seltener manifestiert sich ein KTS durch chronische Belastung mit Anschwellung der Sehnen im Karpaltunnel oder durch Sehnenscheidenschwellung bei degenerativen, hormonellen, rheumatischen, stoffwechselbedingten Erkrankungen, in der Gravidität. Noch seltener ist eine Verletzung (z.B. ein Speichenbruch) die Ursache. Das Leitsymptom sind "einschlafende Hände", vor allem nachts. Die Diagnose wird durch die Vorgeschichte, die klinische Untersuchung und einer Elektroneurografie (ENG) durch den Neurologen gestellt. Die konservative Behandlung besteht im nächtlichen Tragen von Handgelenkschienen. Kortisoninjektionen sind möglich, aber umstritten. Des KTS ist jedoch eine fortschreitende Erkrankung ohne Spontanheilung, sodass in den meisten Fällen eine Operation erforderlich ist. Diese kann offen, d.h. mit einem Hautschnitt von 1-4cm Länge erfolgen oder durch eine endoskopische (Schlüsselloch-) Operation. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Die Ergebnisse sind nach Langzeituntersuchungen nahezu gleich. Seit 2015 ist unter bestimmten Voraussetzungen ein KTS auch als Berufskrankheit anerkennbar.

Kubitaltunnelsyndrom (KUTS, früher auch Sulcus-ulnaris-Syndrom, SUS)

Hierbei handelt es sich um das zweithäufigste Nervenkompressionssyndrom. Es betrifft den Ellennerven (Nervus ulnaris) an der Innenseite des Ellenbogens ("Musikantenknochen"). Es macht sich durch Missempfindungen bis hin zur völligen Gefühllosigkeit im kleinen Finger und in der dem kleinen Finger zugewandten Seite des Ringfingers bemerkbar. Ist der motorische Ast mit betroffen, kommt es zum Schwinden von Teilen der Handmuskulatur.

Loge-de-Guyon-Syndrom (distale Ulnarislähmung)

Dieses Syndrom ist eine Einengung des Ellennervens im Bereich der Handwurzel auf der Kleinfingerseite im Bereich des Handballens. Die Symptome sind mit denen des KUTS verwechselbar und müssen vor einem operativen Eingriff sicher abgegrenzt werden (z.B. durch eine Elektroneurografie). Ursächlich sind oft chronische Belastungen, Handwurzelverletzungen oder auch Ganglien.

Ganglion (Überbein)

Das Ganglion ist ein gutartiger und zugleich der häufigste Tumor im Bereich der Hand, seltener auch am Fuß und anderen Orten. Lokalisationen sind Handrücken, das beugeseitige Handgelenk und die Fingergelenke. Ganglien sind immer gutartige Tumore und bestehen aus einer mit einer gallertigen Masse gefüllten Gelenkschleimhautblase. Sie treten in jedem Lebensalter auf. Die Ursache ist nicht sicher geklärt. Sie imponieren als prall-elastische bis knochenharte Schwellungen von der Größe Pfefferkorn bis Walnuss. Entspringt ein Ganglion nicht einem Gelenk sondern einer Sehnenscheide, dann wird es auch Sehnenscheidenhygrom genannt. Gründe zur operativen Entfernung eines Ganglions sind die störende Raumforderung und die eventuell daraus folgende Funktionseinschränkung, Patientenwunsch und Psyche und die gestörte Ästhetik. Mit der Entfernung des Ganglions wird zumeist die Ursache desselben nicht behoben. Eine Wiederkehr ist deswegen nicht selten.

Mukoidzysten

Mukoidzysten sind Schleimhautausbuchtungen, die vom durch Arthrose verändertem Fingerendgelenk ausgehen. Eine operative Entfernung ist nur eine symptomatische Behandlung. Stehen die Gelenkschmerzen im Vordergrund, sollte eine Versteifung des Fingerendgelenkes als sanierende Maßnahme durchgeführt werden. Das äußere Erscheinungsbild verleitet die betroffenen Patienten oft zur Selbstbehandlung durch "Aufstechen". Damit wird aber eine offene Verbindung zum Gelenk mit der entsprechende Infektionsgefahr geschaffen und sollte deswegen tunlichst unterlassen werden.

Dupuytren

Der „Morbus Dupuytren“ (auch Dupuytren-Kontraktur, Dupuytren-Krankheit, Fibromatose der Palmarfaszie u.a.) ist eine gutartige Knoten- und Strangbildung der Handfläche. Ähnlich wie an der Hand können diese Fibromatosen auch an anderen Körperteilen auftreten (z.B. Fußsohle- M. Ledderhose, Penis- M. Peyronie, Fingermittelgelenke- Knuckle pads). Die Erkrankung ist nach Baron Guillaume Dupuytren benannt, der diese 1832 beschrieb. Sie ist nicht heilbar, der Verlauf ist gutartig und sie tritt zumeist im mittleren Lebensalter auf. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. Eine genetische Voraussetzung ist vermutlich notwendig, familiäre Häufungen sind oft feststellbar. Auslösende Faktoren sind möglicherweise mechanische Belastungen, Verletzungen oder innere Erkrankungen. Männer sind deutlich bevorzugt. Im Verlauf kommt es zur Fingerkrümmung, am häufigsten der Ring- und Kleinfinger. Beim aggressiven Typ jüngerer Männer kann die ganze Hand auch beidseits befallen sein. Grundsätzlich muss eine Dupuytren`sche Erkrankung nicht behandelt werden, da sie nie lebensbedrohlich ist. Die Einschränkung der Handfunktionen führen die Patienten zum Arzt. In einem niedrigen Erkrankungsstadium (Knoten) kann Strahlentherapie helfen. Bei günstig gelegenen Strängen reicht oft die einfache Durchtrennung des Strangs durch die Haut (Perkutane Nadelfasziotomie, PNF). Auch die Injektion von Kollagenase verfolgt das gleiche Ziel. Das entsprechende Mittel wurde 2012 in Deutschland wegen eines sehr ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses vom Markt genommen. Weiter fortgeschrittene Befunde erfordern eine Operation zur teilweisen oder kompletten Entfernung der Knoten.

 

 

 

 

 

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