Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie

e.V.




Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie


e.V.





02.04.2011

Unguis incarnatus - nur eine Bagatelle? Die chirurgische Therapie des Unguis incarnatus unter besonderer Berücksichtigung der Phenol-Kaustik

Frank Bayer | 6. Geraer Symposium Ambulante Chirurgie | 02.04.2011 | Kommunikationszentrum der Sparkasse Gera-Greiz

Die Nagelwachstumsgeschwindigkeit der Fingernägel  beträgt 0,5-1,2 mm/Woche, die der Zehennägel  0,2-0,5 mm/Woche. Die durchschnittliche Regenerationszeit beim Fingernagel  liegt bei ca. 6 Monaten, beim Zehennagel  bei ca. 12-18 Monate. Noch deutlicher langsamer wird die Regeneration im Alter und  bei Durchblutungsstörungen.

Die Ursache des eingewachsenen Nagels ist vermutlich auch eine genetische Disposition durch ein Missverhältnis der breiten Nagelplatte zum schmalen Nagelbett. Falsches, beengendes Schuhwerk trägt dazu bei und fast immer ist eine falsche Pediküre (zu rund geschnitten) ursächlich. Es bildet sich ein Sporn, in dessen Folge es zu Entzündung, Schmerz, sekundärer bakterieller Infektion und Hypergranulation kommt.

Chirurgische Therapieoptionen sind die Nagel- und Weichteilkeilexzision nach EMMERT, die Segmentale laterale Nagelmatrixexzision nach FOOTE und die Chemo-Kaustik des lateralen Matrixhorn mit Phenol

Die traditionelle Emmert-Plastik erfordert die Exzision des gesamten seitlichen Nagelorgans (proximaler Nagelwall, Matrix, lateraler Nagelwall, Sulcus, Nagelbett, Hyponychium) bis zum Periost. Wird der Keil nicht breit genug gewählt können laterale Matrixanteile verbleiben. Die Folge sind Nagelspiculae (Rezidive). Die Methode ist radikal traumatisierend mit lange Wundheilung und postoperativen Schmerzen. Sie ist kosmetisch “verstümmelnd” und es kommt relativ häufig zu Rezidiven.

Die Segmentale laterale Nagelmatrixexzision nach FOOTE in Oberst ‘scher Leitungsanästhesie und Blutleere ist bei weitem nicht so traumatisierend im Vergleich zur Emmert- Plastik, da das  periunguale Weichteilgewebe geschont wird. Eine kürzere Wundheilung, weniger Schmerzen und ein kosmetisch ansprechenderes Ergebnis sind die Vorteile

Bei der Chemo-Kaustik des lat. Matrixhorn mit Phenol erfolgt die Resektion des betroffenen seitlichen Nagelanteils ohne Hautschnitt in Oberst ´scher Leitungsanästhesie und Blutleere mit anschließender Verödung/Verätzung des lateralen Matrixanteils mit Phenolum liquefactum (80-90%iges Phenol) oder alternativ 10-20%ige Natriumlauge. Die Phenolkaustik ist ein minimal invasiver Eingriff der keinen oder kaum postoperativen Schmerz bereitet. Sie bietet kürzeste Wundheilung und ist unter Falithrom und bei Diabetikern möglich. Die Phenolkaustik ist zur Behandlung von für Rezidiven nach EMMERT- Plastiken geeignet. Das kosmetische Ergebnis ist in der Regel sehr gut.

Konservative Alternative beim Unguis incarnatus ist die Verwendung von Nagelkorrekturspangen. Differentialdiagnostisch muss beachtet werden, dass  nicht alles was irgendwie schief wächst, ein eingewachsener Nagel ist. Vom Unguis incarnatus sind z. B. zu unterscheiden die Tinea unguis (Onychomykose) und Nagelveränderungen bei Psoriasis vulgaris.




zurück
® Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie e.V.
c/o Chirurgische Gemeinschaftspraxis Gera
Schmelzhüttenstraße 4, 07545 Gera
mail: chirurgieverein-gera(at)gmx.de
Sparkasse Gera-Greiz
IBAN DE74830500000000107395
BIC: HELADEF1GER