Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie

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21.03.2015

Neues zur Anästhesievorbereitung für ambulante Operationen

Dr. med. Alexander Lieb | 10. Geraer Symposium Ambulante Chirurgie | 21.03.2015 | Kommunikationszentrum der Sparkasse Gera-Greiz

Die präoperative (Anästhesievorbereitung) Evaluierung soll das perioperative Risiko des Patienten bestimmen, um eventuell vorhandene präoperative Risikofaktoren ggf. zu therapieren / minimieren und die operative/anästhesiologische Versorgung dem ermittelten Risiko anzupassen. Sie soll den Umfang der präoperativen Untersuchungen, ohne Nachteil für den Patienten reduzieren, die Abläufe verschlanken, die Kosten verringern, die Patientenzufriedenheit steigern und die OP-Pläne stabilisieren.

Untersuchungsverfahren sind nur sinnvoll, wenn diese letztlich auch zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung und zur Reduktion der perioperativen Morbidität und Mortalität beitragen.

Heute gibt es eine engmaschige hausärztliche Kontrolle, chronische Erkrankungen (z.B.: CIHK, Hypertonie, Diabetes mellitus) sind erkannt und werden stabil therapiert, Untersuchungsmethoden sind effektiver denn je, Narkosetechnik, -medikamente und Narkoseüberwachung sind optimal. Die präoperative Evaluierung liegt in der Verantwortung von Hausarzt, Operateur und Anästhesisten. Wenn weder Anamnese noch körperliche Untersuchung einen Hinweis auf eine relevante Vorerkrankung ergeben, ist im Allgemeinen keine weitere Diagnostik erforderlich. Diese Einschätzung gilt auch für ältere (geriatrische) Patienten!

(Schein OD und Autoren, New Engl J Med 2000;342: 168-175)

Beim Routine-Labor wurden nur selten einer Behandlung bedürftige Werte gefunden (0,1 %).

Ein EKG sollte erfolgen bei mehr als einem kardialen Risikofaktor, bei klinischen Symptomen einer ischämischen Herzerkrankung, bei relevanten: HRS, Klappenvitien und Herzinsuffizienz, bei AICD-Trägern (Automatischer implantierter Cardioverter-Defibrillator) und bei Herzschrittmacherträgern nur, wenn Kontrollen nicht nachweisbar sind.

Die Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane ist angezeigt bei klinischer Verdachtsdiagnose Pleuraerguss, Atelektase und Pneumonie.

Bei einer Studie über 14.000 Röntgen-Thorax Aufnahmen zeigten sich 10 % mit Auffälligkeiten, davon waren 1,3 % nicht bekannt und in nur 0,1% wurde das perioperatives Vorgehen modifiziert.

(Archer C und Mitarbeiter: Can J Anästh 1993; 40;  1022-1027)

Eine präoperative Lungenfunktionsprüfung ist indiziert bei neu aufgetretenen oder bei Verdacht auf akute symptomatische Erkrankungen. Ein Ultraschall der Halsgefäße kann notwendig werden bei einem Zustand nach Schlaganfall oder einer TIA.

Kreislauf-Dauermedikation, Digitalispräparate, Psychopharmaka, Parkinson-Medikamente, Statine und Glukokortikoide müssen nicht abgesetzt werden. Diuretika sollten am OP Tag pausiert werden. Insuline werden ggf. unter Dosisanpassung und das Antidiabetikum Metformin bis zum Vorabend der OP weiter verabreicht. Alle die Gerinnung beeinflussende Medikamente inklusive der NOAK bedürfen der individuellen Absprache.

Der rüstige, wettergegerbte 80igjährige ist einfacher zu anästhesieren als der 40igjährige rotgesichtige Hektiker, „der keinen Hausarzt braucht“.


Resümee

Es ist sinnvoll das Routinescreening zu verlassen und den Umfang der Untersuchungen den patientenbezogenen Faktoren sowie dem geplanten operativen Eingriff anzupassen. Der Zeitraum vor einer OP sollte 6 Wochen nicht überschreiten.

(Quelle: Prof. Dr. med. Frank Wappler, Köln, „Empfehlungen zur präoperativen anästhesiologischen Evaluation“, A&I, 2014, 110-124) 




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